Wie ehrlich bin ich als Blogger?

Als vor einigen Jahren aus einer kleinen Rezeptesammlung mein Blog entstand, war mir klar, dass ich somit auch viel Verantwortung bezüglich meiner Inhalte trage.
Ein Blog funktioniert nur, wenn die Autorin, bzw. der Autor ein authentisches Gegenüber für seine Leser sein kann.
"Sei einfach du selbst!" Heißt es ja so schön, doch entsteht hier auch ein permanenter Rollenkonflikt.
Auf einmal interessiert es fremde Menschen was ich wo einkaufe oder tagtäglich benutze.
Mag die Fangemeinde überschaubar oder riesig sein, man setzt sich selbst der Beobachtung aus und hat, beabsichtigt oder nicht, auch Einfluss auf das Verhalten seiner Leser.
Es ist keine Neuigkeit, dass sich Firmen dieses Phänomen zunutze machen und durch Influencermarketing mitunter lukrative Werbedeals für Blogger entstehen.
Auch ich kann mich dem nicht komplett ausschließen, bin aber mittlerweile sehr vorsichtig geworden.
Vor gut zwei Monaten bekam ich beispielsweise eine Anfrage per E-Mail ob ich Interesse an der permanenten Veröffentlichung von Gastbeiträgen hätte, in denen versteckt Links zu Glücksspiel und Versicherungen eingebettet seien.
Monatlich würde ich dafür einen monetären Ausgleich erhalten-Geld verdienen ohne etwas dafür zu tun? Klingt doch traumhaft, oder?
Zugegebenermaßen habe ich eine Nanosekunde über dieses reizvolle Angebot nachgedacht. Dann packte mich die Vernunft.
Möchte ich meine Leser allen Ernstes in eine Glücksspielfalle locken?
Kein Geld der Welt könnte mein schlechtes Gewissen bezahlen.
So habe ich mir vielleicht leicht verdientes Einkommen durch die Lappen gehen lassen, aber ich werde mich für Geld nicht verbiegen und habe Grundprinzipien in Bezug auf meine Blogarbeit.

Zum Einen habe ich von Anfang an gesagt, ich kann nur bewerben wo ich persönlich hinterstehe, ein Produkt das ich selbst benutze oder das ich gerne testen möchte.
Kooperationen sollten also meinen Ansichten entsprechen, bzw. sie stärken.

Küche, Kirche, Kindergarten-im Laufe meiner bisherigen Bildungs-und Berufslaufbahn hat sich in mir natürlich ein Menschenbild geprägt, das so stark an sozialen und moralisch vertretbaren Maximen festhält.
Mein Gewissen würde es einfach nicht zulassen anderen Leuten eine dubiose Versicherung anzudrehen oder zum Glücksspiel zu verleiten.

Drittens möchte ich auch zukünftig daran arbeiten, dass mein Name und meine Seite mit positiven Aspekten und Gedanken behaftet ist.
Ich möchte mich für Dinge wie Glücksspiel und Versicherungen nicht hergeben.
Dafür bedeutet mir der emotionale Wert meiner Seite zu viel.

Ich bin sehr froh darüber nicht auf solche Deals angewiesen zu sein, da ich mich in der finanziellen Sicherheit meiner Vollzeitstelle wiege.
Aus dieser Sicherheit entsteht die Stärke, auf keinen angewiesen zu sein, Anfragen freundlich aber konsequent ablehnen zu können und mich auf das zu konzentrieren, was mich tatsächlich interessiert.

Umgekehrt wird mir gegenüber leider nicht immer diese Ehrlichkeit entgegengebracht und so entstehen manchmal frustrierende Situationen.
Auf einer Messe lernte ich zum Beispiel ein Startup kennen, mit denen ich relativ lange ins Gespräch kam. Völlig begeistert hielten sie meinen Flyer in den Händen und fragten, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit hätte. Ich mochte das Produkt und willigte ein, bekam eine Packung des Produktes in die Hand gedrückt, fühlte mich wie auf Wolke Sieben, denn ich sah mich schon in einer Zusammenarbeit und in meinem Kopf entstanden bereits Rezepte, Fotos und Geschichten.
Ich wollte mein allerbestes geben und arbeitete wirklich lange an einem Foto, steckte Liebe, Zeit und viele Gedanken in diese Arbeit. Da anscheinend das Interesse an einer Zusammenarbeit mit mir doch nicht so groß war, blieb es bei dieser einen Begegnung und letztlich arbeitete ich für den Lohn von 3,50 Euro insgesamt zweieinhalb Stunden.

Dieses Abenteuer blieb leider kein Einzelfall. Ich bekam auch schon Anfragen von Firmen per E-Mail, bis hin zur Bestätigung des Versandes eines Probierpakets und es kam weder ein Paket noch ein weiterer Dialog.
Warum werde ich denn dann überhaupt angefragt?

Ich kann zwar damit umgehen, vielleicht noch nicht so interessant für einige Firmen zu sein, aber wenn das Interesse an einer Zusammenarbeit von Anfang an nicht vorhanden ist, dann finde ich es unehrlich und gemein, mich zuerst anzufüttern und dann fallen zu lassen.

Zwar wünsche ich jedem, vor allem aber selbständigen Firmen und Freelancern von Herzen stets Erfolg, jedoch sind diejenigen, die Menschen so wertlos behandeln leider auch nicht viel wert.