Rosenkrieg im Kindergarten


Mit dem Überschreiten der Türschwelle einer Kindertagesstätte betritt man gleichzeitig eine Frauendomäne.
An meinem derzeitigen Arbeitsplatz befinden wir uns in einer glücklichen Lage, sind doch einige Männer in unserer Einrichtung tätig.
Aufgrund meiner mittlerweile langjährigen Berufserfahrung in verschiedenen Einrichtungen in Hessen, den USA, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen ist meiner Erfahrung nach ein sozialpädagogisches Team harmonischer je ausgeglichener die Geschlechter-Relation vertreten ist.
Obwohl selbstverständlich noch weitere Faktoren zur Teamharmonie beitragen, bietet die maskuline, eher auf der Sachebene zu findende Art doch einen großen Ausgleich zum sonst recht emotionsgesteuerten Miteinander.
An dieser Stelle möchte ich dringend betonen, dass Ausnahmen die Regel bestätigen und auch ein Mann im Team keine Harmoniegarantie bietet und auch frauenhomogene Teams sehr harmonisch zusammen arbeiten können.


Bestenfalls sind die individuellen Charaktere so zusammengewürfelt, dass sie sich gegenseitig ergänzen.
Genau hierin liegt nämlich die wahre Kunst, man könnte auch sagen "die Mischung macht's", so verschieden die direkten Kollegen auch sind, in Anbetracht des Alters, der Berufserfahrung, der Talente, usw. , desto wichtiger ist die Sympathie, die sie einander empfinden.
Natürlich ist der Kollegenkreis kein Freundeskreis und ich möchte nicht unbedingt mit Jedem oder Jeder aus diesem Kreis privat meine Freizeit verbringen.
Rechne ich allerdings die Stunden zusammen, die ich täglich aktiv mit meinen Kollegen verbringe, komme ich auf wesentlich mehr Zeit mit meinen direkten Kolleginnen als mit meinem eigenen Ehemann. Ein Grund warum mir die Sympathieeene zu meinen direkten Kollegen enorm wichtig ist.

 

Leider kenne ich wahre Dramen am Arbeitsplatz, wenn der Östrogenhaushalt der Damen mal wieder ansteigt und hochgeht wie ein Silvesterfeuerwerk.
Bei einem vorherigen Arbeitgeber passierte mir folgendes:

 

Als neue, dritte Kollegin stieß ich in ein eingeschworenes, gut aufeinander abgestimmt wirkendes Zweierteam. Ich merkte schnell, dass ich nicht so recht in dieses Team passte und von den anderen beiden Damen auch keine Chance erhielt, in diese Zweisamkeit hineinzuwachsen.

Jeder Tag aufs Neue kostete enorm viel Kraft, ich fing schon an, an mir und meinen Fähigkeiten zu zweifeln.
Ich wollte mich einfach nicht unterkriegen lassen, denn bis zu dieser Zeit hatte ich in anderen Einrichtungen stets einen guten Draht zu meinen Kollegen und hatte den vorangegangenen Arbeitsplatz mit Tränen in den Augen verlassen.
Ich konnte mir einfach nicht erklären, woran diese Kälte zwischen uns lag und vor Allem, wie ich damit umgehen sollte.
Einige Wochen in der Zukunft sollte eine Fortbildung stattfinden, zu der ich mich gerne anmelden wollte. Dazu fragte ich eine meiner neuen Kolleginnen, ob sie am Tag der Fortbildung vielleicht anderthalb Stunden länger bleiben könne um mich zu vertreten.
Sie holte ihren Kalender, blickte mich lächelnd an und sagte: "Also Zeit hätte ich schon aber ich habe keinen Bock!".
Noch bevor ich überhaupt realisierte, was sie da gerade gesagt hatte, stolzierte sie auch schon davon und hinterließ ein völliges Gefühl der Leere in mir.

Muss man sich von Kollegen so behandeln lassen?
Schließlich sind wir nicht am Arbeitsplatz, damit wir Erwachsenen schön nett miteinander umgehen, denn das Kind steht im Mittelpunkt unseres täglichen Tuns.
Ich persönlich finde, dass die Auswahl des Teams unter Berücksichtigung der Harmonie untereinander wesentlich zur Qualität der pädagogischen Arbeit beiträgt.
Die Harmonie untereinander führt auch dazu, dass sich der wertschätzende Umgang, das Lachen und die positive Energie automatisch auf die Kinder überträgt.
Kinder haben sehr feine Antennen und wirken verunsichert, wenn sich die Atmosphäre unter den Erwachsenen auflädt.


Das Verhalten der Kollegin in meinem Beispiel zeigt ganz deutlich ihre Unprofessionalität, indem sie mit ihrer Aussage absichtlich meine Gefühlsebene treffen wollte und auch traf.
Wäre diese Kollegin damals nicht in Elternzeit gegangen, hätte ich sicherlich das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitgeber direkt gekündigt. Keiner muss dauerhaft mit einem schlechten Gefühl die Stunden bis zum Feierabend absitzen. Das bringt schließlich keinem etwas.

Natürlich ist jeder von uns mal angeschlagen oder hat ein Problem, bzw. einen Konflikt, der sich negativ auf die Gruppenharmonie auswirkt. In einem Team, in dem man auf allen Ebenen gut miteinander umgehen kann, sind solche Hürden aber durchaus lösbar, da alle Teammitglieder daran interessiert sind, die Teamharmonie wieder herzustellen und dieser Umstand ist das wertvollste Gut.

Ich bin überglücklich in unserem derzeitigen Dreierteam und dieses positive Gefühl lässt mich jeden Tag aufs Neue mit Freude dem anstehenden Arbeitstag entgegenblicken.
Letztlich ist unser Beruf eben nicht "nur ein Job", den wir nach Vorschrift erledigen und nach Feierabend stehen und liegen lassen.
Das Emotionspäckchen, die vielen Gedanken über kleine und große Menschen, dieses Päckchen nehmen wir mit nach Hause.
Wie wundervoll, wenn das Päckchen gefüllt ist von positiven Gefühlen und Erinnerungen.