Mit Vollgas ins neue Jahr

Neues Jahr, neue Kraft, neue Herausforderungen?
Viele nehmen den Wechsel in ein neues Jahr zum Anlass auch an sich selbst, ihrer Haltung oder auch äußerlich etwas zu verändern.
Ich persönlich versuche meine Ziele und Vorsätze nicht vom Datum abhängig zu machen. Sinnvoller finde ich, die im Moment der Entstehung eines Vorsatzes entstandene Motivation direkt umzusetzen.
Auch habe ich oft den Eindruck, je länger ich warte, meinen Plan in die Tat umzusetzen, desto geringer wird die Motivation.
Woran liegt es, dass ein simpler Monatswechsel einen so großen Effekt hat?
Im Grunde ändert sich doch nichts, ein Tag geht in den neuen Tag über.
Vielleicht liegt darin aber auch der kleine Zauber des Neujahrstages.
In einem drinnen wächst der Wunsch nach Veränderung, der nur noch einen festgelegten Zeitpunkt braucht.

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass auch ich mir jedes Jahr einige Dinge vornehme.
Jedes Jahr aufs Neue versuche ich mir realistische Ziele zu setzen, denn nichts ist frustrierender als seine Energie zu verschwenden.
Doch auch hier scheitern meine Vorhaben nur allzu oft.
Mehr Sport, gesünder essen, mehr schreiben...in den letzten Jahren habe ich mir immer viel vorgenommen und mich so auch stark unter Druck gesetzt.
Kein Wunder also, dass die Enttäuschung dann umso größer wurde, wenn mit Vollgas der Alltag dazwischenpreschte und die guten Vorsätze rücksichtslos überfuhr.
Da ist es wohl besser ohne Vorsätze ins neue Jahr zu starten, oder?
Diese ganze Vorsatzmacherei ist doch albern und bringt nichts als Ärger, denke ich oft.
Wäre da nicht die Sehnsucht nach einem Ziel, die in uns allen lodert.
Das Leben, der Alltag braucht einfach einen roten Faden, einen Weg mit für uns sinnvollen Stationen, an denen wir zurückblicken um aus den Lehren der Vergangenheit eine weise Richtung in die Zukunft einzuschlagen.

Und nun, wenn ich darüber nachdenke werden die trüben Frustwölkchen von der frischen Neujahrsbrise weggeweht.
Ein fremdbestimmter Vorsatz steht für mich schon lange über dem jeweiligen Jahr und scheint mich immer wieder auf dessen Aussage fokussieren zu lassen.

"Suche Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,15) lautet die Jahreslosung für 2019.

Ob nun Christ oder nicht, die diesjährige Jahreslosung kann allen ein Wegweiser sein.
Das allgemeine Ziel Frieden oder "Weltfrieden" wie er klischeebehaftet in Misswahlen genannt wird sollte für uns alle erstrebenswert sein und ein Ziel an dem wir lebenslang arbeiten.
Weltfrieden ist allerdings ein Ziel, das ich alleine in absehbarer Zukunft nicht erreichen kann, Frieden unter Menschen, Kulturen oder Nationen scheint unendlich weit entfernt.

Ich persönlich interpretiere den Losungssatz zunächst im Kleinen.
Frieden mit mir schaffen, sich mit sich selbst und seinen Einstellungen auseinandersetzen und sie reflektieren.
Mit dem Schaffen einer Beziehung zu sich und der bewussten Auseinandersetzung mit seinem eigenen Umfeld kommen wir in eine friedvolle Balance, die dazu beitragen kann die Wirkung nach Außen zu verändern.
Sich im Laufe eines Jahres immer wieder mit einem Satz auseinander zu setzen und
ihn so in den verschiedensten Situationen des Alltags in immer neuem Kontext zu sehen schafft ein neues, intensiveres Verständnis.
Obwohl die Worte bleiben, so verwandelt sich ständig die Bedeutung des Satzes.
Mal wirkt er tröstlich, mal mahnend, mal beruhigend.

Dem Frieden nachjagen, darin sehe ich für mich die größte Herausforderung.
Ich hoffe, ich kann mein Jahr so gestalten, dass ich um meines eigenen Friedens Willen immer wieder Phasen der Ruhe einfordere, bzw. erjage, sodass sich der innere Frieden auch auf andere überträgt.

Sollte ich es schaffen mit Hilfe von Achtsamkeit und Akzeptanz die so entstandene positive Energie auf mein Umfeld zu übertragen, den Frieden also in "meine Welt" einkehren zu lassen, dann habe ich mein Ziel für 2019 erreicht.